Gedichte Trennung


Gedichte - Trennung

Sammlung an Gedichten mit Bezug zum Thema Trennung für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 

Ade zur guten Nacht

Ade zur guten Nacht!
Jetzt wird der Schluß gemacht,
daß ich muß scheiden.
Im Sommer wächst der Klee,
Im Winter schneit's den Schnee,
da komm ich wieder.

Das Brünnlein rinnt und rauscht
wohl unterm Holderstrauch,
wo wir gesessen.
Wie manchen Glockenschlag,
da Herz bei Herzen lag,
das hast vergessen.

Es trauern Berg und Tal,
wo ich viel tausendmal
bin drüber gegangen;
das hat deine Schönheit gemacht,
hat mich zum Lieben gebracht
mit großem Verlangen.

Die Mädchen in der Welt
sind falscher als das Geld
mit ihrem Lieben.
Ade zur guten Nacht!
Jetzt wird der Schluß gemacht,
daß ich muß scheiden.

Volksweise

 

 

 

Warum es soviel Leiden
so kurzes Glück nur gibt?
Warum denn immer scheiden,
wo wir so sehr geliebt?

So manches Aug' gebrochen
und mancher Mund nun stumm,
der erst noch hold gesprochen;
du armes Herz, warum?

Eleonore Fürstin Reuß

 

 

 

Geh nicht, die Gott für mich erschuf!
Laß scharren deiner Rosse Huf
den Reiseruf.

Du willst von meinem Herde fliehn?
Und weißt ja nicht wohin, wohin
dich deine Rosse ziehn!

Die Stunde rinnt, das Leben jagt!
Wir haben uns noch nichts gesagt –
Bleib, bis es tagt!

Du willst aus meinen Armen fliehn?
Und weißt ja nicht wohin, wohin
dich deine Rosse ziehn…

Conrad Ferdinand Meyer

 

 

 

 


Wenn die angerissenen Träume völlig zerstört sind.
Die Bequemlichkeit über den Kampfgeist gesiegt hat.
Jedes Wort von dir in den Wind gesprochen und deine Liebe zu mir doch nicht so groß war.
Wenn ein Haus und ein gedeckter Tisch mehr Bedeutung hat, als meine Liebe zu dir.
Meine ewigen Bitten: "Kämpfe für mich", "Zeig mir, was du sagst", keine Reaktion bringt.
Wenn Zweifel sind, wo eigentlich Liebe hingehört.
Antworten, die vielleicht nicht ehrlich sind, so, wie wahrscheinlich viele Worte Lügen waren.
Wenn die angerissenen Träume völlig zerstört sind, ich endlich erkenne, daß am Anfang schon das Ende stand und mein Kampf verloren ist, dann werde ich entscheiden.

Unbekannt

 

 

 


Die Liebenden

Trennen wollten wir uns,
wähnten es gut und klug;
Da wir's taten,
warum schröckt' uns
wie Mord die Tat?
Ach! Wir kennen uns wenig,
Denn es waltet ein Gott in uns.

Johann Christian Friedrich Hölderlin

 

 

 

 

Aus dem Uns ist ein Ich geworden.
Ich habe das Du vergessen.
Du hast das Uns gepflegt,
mich damit eingemauert.
Ich habe mich befreit.
Du mußt leiden.
Wir sind kaputt.
Uns ist vorbei.
Du bist verletzt.
Und Ich?
Ich

Unbekannt

 

 

 

 

Briefe

Warum versankst du mir so ganz?
Ein Stein auf irgendeines Flusses Grund,
tief unter Wellentanz und -glanz,
ist mir nicht stummer als dein Mund.

Geh hin zum nächsten Fluß, geh hin,
und blick hinab, und siehst du einen Stein,
so grüß dein dunkles Brüderlein
und sag ihm traurig, wer ich bin.

Nein sag ihm fröhlich, wer ich war!
Ein Freund, mit dem du einst ein Herz und Sinn.
Nein, sag ihm traurig, wer ich bin:
ein Freund, nun aller Freundschaft bar.

Christian Morgenstern

 

 

 

 

Mein Tag

Der Abend verglimmt im silbernen Schein.
Mein Tag, du verstehst –
doch du warst mein.

Warst mein mit all deinem reichen Sinn,
mit der heiligen Kraft,
in der ich bin.

Du lösest dich auf im Abendglühn,
doch du warst mein –
still laß ich dich ziehn.

Elisabeth Dauthendey

 

 

 

 


Müssen wir so scheiden?
Hast du nicht einen Blick für die Gespielin
Der Kindheit übrig? Keine Hand zu bieten?
Der Unglücksel'gen, die du sonst geliebt?
Glaubst du, ich steh' auf Rosen?

Esaias Tegnér

 

 

Mein Zimmer hat nur Wände

Mein Zimmer hat nur Wände,
Und Fenster hat es keine,
Denn als mein Schatz gegangen,
Saß ich mit nassen Wangen,
Fand, daß die Sonne blende.
Ich schickte meine Hände,
Sie schleppten Mauersteine.
Sie bauten auf der Stelle
Mit Mörtel und mit Kelle
Für meine Seerlenruh
Die lauten Fenster zu.
Niemand sieht's, wenn ich weine,
Statt Licht sind um mich Steine
Und tröstend dunkle Wände.
Die Träne findet allein
Den Weg in meine Hände.

Max Dauthendey

 

 

 

Sie sagen mir, ich soll dich meiden
Sie sagen mir, ich soll dich meiden
Und wissen auch der Gründe viel';
Es spricht die Welt so leicht vom Scheiden,
Als wär' es nur ein Maienspiel.

Und sprächst auch du, ich soll dich lassen,
So deuchte mir's ein böser Scherz,
Zur Buße wollt' ich dich umfassen
Und drücken an mein treues Herz.

Und sagt' ich selbst: "Sei's denn beschlossen!
Lieb' mich nicht mehr von dieser Stund'!"
So hieltest still du mich umschlossen
Und küßtest lächelnd meinen Mund.

Wilhelm Hertz

 

 

 

 

Unmut

So hat sie wirklich mich verlassen?
Sie ging hinweg und kehrt nicht mehr?
O Gott! Wie ist die Welt so leer!
Ich wanke heim die düstern Gassen.

Ich wanke heim die düstern Gassen;
O Gott wie ist die Welt so toll! -
Kann sie zwei Herzen, liebevoll,
Nicht ruhig bei einander lassen?

Ludwig Pfau

 

 

 

 

Abschiedslied

Fahr wohl, du alte Schraube!
Mir warst du sehr egal.
Mir schmeckt die Lebenstraube,
Und dir ist alles Qual!
Tu immer, was du wolltest;
Ich stör dich nicht dabei.
Ich weiß nicht, was du solltest;
Ich laß dich gerne frei.
Und wenn du wieder grolltest,
So wär's mir einerlei.
Schrei nur, mein Liebchen, schrei!

Paul Scheerbart

 

 

 

Nacht der Trennung

Welche Mißgunst hat zur Plage
Armer Liebe dich erdacht?
Welcher Gott erschuf dich, sage,
Nacht der Trennung, lange Nacht?

Ohne Mondlicht, ohne Sterne,
Ohne Lied der Nachtigall
Drückt auf alle Näh' und Ferne
Deiner Nebel dunkler Schwall.

Ungeseh'n und still wie Geister,
Die von Stern zu Sterne zieh'n.
Wandelt nur die blasse Sehnsucht
Leise klagend her und hin.

Moritz Hartmann

 

 

 

Trennung

Ich kam, um Abschied zu nehmen,
Wir thaten es beiderseits,
Als hätten wir uns zu schämen
Des kindischen Liebesleids.

Wir sprachen so ruhig darüber,
So ruhig, fast im Scherz –
Und wären uns beide doch lieber
Lautweinend gestürzt ans Herz.

Unbekannt

 

 

 


Abend

Wie ist es denn, daß trüb und schwer
So alles kommt, vorüberzieht,
Und wechselnd, quälend, immer leer,
Das arme Herz in sich verglüht?

Kaum gekommen
Soll ich scheiden,
Kaum entglommen
Löschen wieder
Alle Freuden
und der Leiden
Dunkle Wolke senkt sich nieder.

Aus den Lichtern in die Nacht,
Aus den Augen, die mir tagen,
Die mein ganzes Herz durchlacht,
Bin ich wieder allen Plagen,
Dem dürren Leben
Zurück gegeben.
Wie flücht'ge Augenblicke
Mein Glücke!
Wie lange, lange Dauer
Der Trennung, düstre schwere Trauer! –
Zurückzukehren
Und dich entbehren!

O als ich dich noch nicht gesehn,
Da durfte Sehnsucht bei mir sein,
Ein Hoffnungswind in meinen Wünschen wehn,
Die Zukunft war ein heller Schein:
Jetzt muss ich vom Erinnern kaufen,
Was ich kaum zerstreut empfand;
Wieder durch die wüsten Haufen,
Durch ein unbewohntes Land,
Soll ich irre, klagend, schweigen,
Und des Glückes goldne Streifen
Auch die letzten, abgewandt.
Noch fühl' ich deine Hand,
Noch wie im Traume deine Küsse,
Noch folgen mir die holden Blicke,
Und die Empfindung, daß ich alles misse,
Bleibt bei mir zurücke.

O Hoffen, Schmachten, Liebesleid und Sehnen,
Wie dürst' ich nach den süßen Tränen!
O tröste mich doch, eitles Wähnen,
So leer du bist, so tot, so nichtig!
Verlaßt ihr alle mich so flüchtig?

O Gegenwart, wie bist du schnell!
Vergangenheit, wie bist du klein!
O Zukunft, wie wirst du unendlich sein?
Unendlich wie am Himmelsbogen
Die Sterne in die ew'gen Räume steigen,
So fühl' ich Stunden, Tage, Monden hergezogen,
Und durch mein tiefstes Sein das trübe Schweigen,
Um mich ein unvergänglich Meer von schwarzen Wogen,
Und ach! kein grünes Ufer will sich zeigen!

Ludwig Tieck

 

 

 

Ein Rosenzweig

Im Süden war's. Zur Nachtzeit. Eine Gasse.
Ich trat aus deinem Haus und schloß das Tor
und wandte noch einmal den Blick empor:
da flog ein Zweig aus deinem Dachgelasse

und fiel aufs Pflaster, – daß ich rasch mich bückte
und deinen Hauch noch warm vom Munde nahm
der schweren Rosen, deren Gruß den Gram
der kurzen Trennung duftend überbrückte.

Christian Morgenstern

 

 

 

 

Wenn du, um größ'res Weh zu meiden,
von dem, was du geliebt, mußt scheiden –
Geh nicht in Groll! Geh nicht in Zorn!
Die Zeit wird mildern deine Schmerzen;
Doch gehst du mit verhülltem Herzen,
Bleibt in der Wunde dir der Dorn.

Du mußt ihn immerdar empfinden,
Manch größ'res Leiden wird verschwinden,
Indes das kleine dir verblieb;
Es wird vergiften dir das Leben,
Daß du gezürnt und nicht vergeben;
Drum – eh du scheidest, o vergib!

Ludwig Ißleib

 

 

Lebewohl

Wer sollte fragen: wie's geschah?
Es geht auch andern eben so.
Ich freute mich, als ich dich sah,
Du warst, als du mich sahst, auch froh.

Der erste Gruß, den ich dir bot,
Macht' uns auf einmal beide reich;
Du wurdest, als ich kam, so rot,
Du wurdest, als ich ging, so bleich.

Nun kam ich auch Tag aus, Tag ein,
Es ging uns beiden durch den Sinn;
Bei Regen und bei Sonnenschein
Schwand bald der Sommer uns dahin.

Wir haben uns die Hand gedrückt,
Um nichts gelacht, um nichts geweint,
Gequält einander und beglückt,
Und haben's redlich auch gemeint.

Da kam der Herbst, der Winter gar,
Die Schwalbe zog, nach altem Brauch,
Und: lieben? – lieben immerdar? –
Es wurde kalt, es fror uns auch.

Ich werde gehn ins fremde Land,
Du sagst mir höflich: Lebe wohl!
Ich küsse höflich dir die Hand,
Und nun ist alles, wie es soll.

Adelbert von Chamisso

 

 

 

Lied

Kreuz der straße…
Wir sind am end.
Abend sank schon…
Dies ist das end.
Kurzes wallen
Wen macht es müd?
Mir zu lang schon…
Der Schmerz macht müd.
Hände lockten:
Was nahmst du nicht?
Meine straße
Du ziehst sie nicht.
Tränen fallen
Du siehst sie nicht.

Stefan George

 

 

 

Wiedersehen

Leb' wohl und sehen wir uns wieder,
So schlage du die Augen nieder,
Und gehn will ich an dir vorbei.
Als ob ichs nicht gewesen sei;

Als ob ich nicht es sei gewesen,
Der dir im Aug' einst durfte lesen.
Was würd' ich lesen jetzt darin?
Daß ich dir fremd geworden bin.

Ich wills nicht in dem Auge lesen,
Das einst mein Himmel ist gewesen,
Daß ich daraus verstoßen bin,
Und nie ein Rückweg ist dahin.

Friedrich Rückert

 

 

 

Dann

Doch als du dann gegangen,
da hat sich mein Verlangen
ganz aufgethan nach dir ...
Als sollt' ich dich verlieren,
schüttelte ich mit irren
Fingern deine verschlossne Thür.

Und durch die Nacht der Scheiben,
ob du nicht würdest bleiben,
bettelten meine Augen, und –
Du gingst hinauf die Stufen
und hast mich nicht gerufen,
mich nicht zurück an deinen Mund.

Vernahm nur noch mit stieren
Sinnen dein Schlüsselklirren
im schwarzen Flur, und dann –
Traum ... bis die Schatten kamen,
wo wir im Park zusammen
ins bodenlose Wasser sahn.

Richard Fedor Leopold Dehmel

 

 

 

Untreue Liebe

Die Hand, die herzlich dargebotene
Zurückgegeben, zweifelhaften Auges,
Und auf der Zunge wägend Silb', um Silbe –
Das Herz, den aufgebrochnen Brief, zurück
Gewiesen, ungelesen, ungedeutet!
Und das von Dir!
Herum im Kreise staunten
Und lachten Eintagsfliegen, flogen weiter
Und summten ärgerlich Gesumm.
Jedoch
Ein Gott riß mich heraus, mit wilder Schwermut
Den Sinn umnachtend. –
Und lächelnd schau' ich jetzt die Fäden an,
Die durchgeriss'nen, durch die Hand mir gleitend,
An denen es wie Blut und Tränen glänzt:
Sie waren schön und sind es noch, und wie
Des späten Sommers Schleier fliehn sie fort,
Ein Windhauch spielt mit ihnen, und das Gold
Der Abendsonne glüht und glitzert drinnen.
Du nicht mehr mein! Es spielt mein liebster Traum
Mit deinem Bild, und einsam steigst du auf
Aus Herzenstiefen wie ein Stern, entglommen
An meines Lebens nächt'gen Himmel – doch
Schon ferne, ach zu ferne, schon versunken!

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

 

 

 

Trost

Laß, o laß mir deine Hand;
Zieh' sie nicht so kalt zurücke;
Nimm, du nahmst's ja schon, mein Glücke.
Laß mir immerhin die Hand!

Wenn du nichts auch für mich fühlst!
Laß mich dennoch weiter träumen,
Laß mich zweifeln, laß mich säumen,
Wenn du nichts auch für mich fühlst!

Gönne mir den armen Trost;
Steh' ich hier doch an dem Grabe
Meiner schönsten, reichsten Habe:
Gönne mir den armen Trost!

Wenn auch deine Hand mich drückt.
Wie sie pflegt' in schönern Zeiten,
Werd' ich's nicht wie Liebe deuten.
Wenn auch deine Hand mich drückt!

Händedruck ist ja nur Gruß,
Liebe bleibt sich nicht so ferne;
Lipp' an Lippe glüht sie gerne,
Händedruck ist ja nur Gruß.

Händedruck ist noch kein Schwur,
Ist kein ewiges Versprechen;
Das auch weißt du, kann man brechen;
Händedruck ist noch kein Schwur!

Darum laß mir deine Hand;
Was geschieden, bleibt geschieden.
Ach, du nahmst mir ja den Frieden,
Laß mir immerhin die Hand! –

Joseph Christian Freiherr von Zedlitz
 

 

 


Untrennbar

Wie lang ach! warst du in der Ferne!
Zog auch mein liebend Herz mit dir,
Du standest nur, gleich einem Sterne,
In meinen Träumen über mir.

Doch, deucht mir, warst du bei mir immer,
Seh' ich dir jetzt ins Angesicht –
Weil ganz der alten Liebe Schimmer
Aus deinem treuen Auge bricht.

Und hältst du mich so lind umfangen
Mit unverlernter Zärtlichkeit –
Ist mir, als wären wir gegangen
So Hand in Hand die ganze Zeit.

Vergessen ist nun alles Scheiden,
Daß wir einst fern, wir glauben's kaum:
Beisammen sind wir stets, wir beiden,
Und nur die Trennung war ein Traum.

Ludwig Pfau

 

 

 

 

Du sagtest mir in jener Stunde
Daß meine Seele reich ist…
Ich glaube fast, daß mir im Grunde
Nur alles, – alles – gleich ist.

Ich freu' mich jeder Seelenblüte,
Die fremden Athem haucht,
Seit jeder Kelch, der mir entglühte,
Erstarrt ist und verraucht…

Und fremde Blumen muß ich warten,
– Das lag mir einst so fern! –
… Weil ich den eig'nen, todten Garten
Vergessen will, so gern!

Lisa Baumfeld

 

 

 

Beruhigung

Dir zürnen, daß du mich verlassen? –
Beim Himmel, nein! wie sollt' ich das?
War's deine Schuld, mich nicht zu fassen?
Verdient ein blinder Irrthum Haß?

Besäße dein Gemüth die Schwingen,
Zu schweben auf des meinen Spur,
Dann ließest du mich dir entringen
Mit deinem eignen Leben nur!

Wen also hätt' ich anzuklagen ?
Dich, daß dein Herz so schwach und klein?
Davon kannst du die Schuld nicht tragen!
Wie du's empfangen, blieb es dein.

Fahr hin! als der Vergebung Blüthe
Rankt sich der Wunsch noch himmelan,
Daß Gott fortan dein Glück behüte,
Weil's meine Liebe nicht mehr kann.

Betty Paoli

 

 

 

Letztes Finden

Verlassene Geliebte, schwergekränkte,
Noch einmal gib mir freundlich Deine Hand,
Die mir Dein großes Herz in Tagen schenkte,
Wo Du noch viel zu wenig mich gekannt.

Ein heißes Lieben und ein heißes Leiden
Hat unser beider Herzen durchgewühlt,
Sekundenlanges Finden, bittres Scheiden,
Und Reue dann, von Starrsinn unterkühlt.

Erschienen bist Du mir in stillen Stunden,
Wo klar und ruhig floß mein wildes Blut;
Ich wähnte damals, daß ich heimgefunden,
Und Alles, Alles sei nun endlich gut.

Dir aber ist ein böses Wort entglitten,
Ein ungewolltes, doch ein böses Wort;
Umsonst war Deiner Augen scheues Bitten,
Es peitschte mich aus Deinem Bannkreis fort.

Zerschmettert fallen traulich enge Schranken,
In trunknem Toben geht es abgrundwärts;
Wie tolle Rosse rasen die Gedanken
Und sie zerstampfen Dir und mir das Herz…

Felix Dörmann

 

 

 

Habe mich mit Liebesreden
Festgelogen an dein Herz,
Und, verstrickt in eigne Fäden,
Wird zum Ernste mir mein Scherz.

Wenn du dich, mit vollem Rechte,
Scherzend nun von mir entfernst,
Nahn sich mir die Höllenmächte,
Und ich schieß mich tot im Ernst.

Heinrich Heine

 

 

 

Zu spät

Ich kann das Wort nicht vergessen,
es klang so traurig und schwer,
dein Stimmlein hör' ich schluchzen,
ich weiß, du liebst mich nicht mehr.

Der Abend sank auf die Felder,
vom Tage nur noch ein Rest,
die letzten Krähen flogen
zu fernen Wäldern zu Nest.

Nun sind wir weit geschieden
auf Nimmerwiederkehr,
ich kann das Wort nicht vergessen,
ich weiß, du liebst mich nicht mehr.

Detlev von Liliencron

 

 

 

 

Zwiegespräch

"Du gabst mir immer wieder
Dein Herz und deine Lieder,
Ich nahm sie sorglos hin.
Nun muß ich dich betrüben:
Ich darf dich nicht mehr lieben,
Weil ich nicht dein mehr bin."

"Und liebst du einen andern,
Will ich ins Weite wandern,
Mir wird so enge hier.
Wie schmerzlich blüht der Flieder!
Mein Herz und meine Lieder,
Ich lasse sie bei dir."

Klabund

 

 

 

Wir werden uns nicht wiedersehn

Wir werden uns wohl niemals wiedersehn,
Denn ungleich sind die Launen und die Stunden,
Und deine Gegenwart ist mit Gefahr verbunden.
Drum werd' ich weislich dir stets aus dem Wege gehen.
Scheint diese Furchtsamkeit dir etwas übertrieben?
O! so bedenke nur:
Wer könnte Kaltsinn üben,
Wo Schönheit und Natur
Uns nöthigen zu lieben?
Nun denn! die kleinste Lust, dich flüchtig nur zu sehn,
Versag' ich mir, die Welt könnt's zum Verbrechen machen.
Wenn auch Verleumdung schweigt, kann nicht der Neid erwachen?
Ja, ich bin viel zu jung, und du bist viel zu schön.
Wir werden uns nicht wiedersehn.

Gabriele von Baumberg

 

 


Wanderlust

Morgen müssen wir verreisen,
und es muß geschieden sein.
Traurig ziehn wir unserer Straßen,
lebe wohl, Herzliebchen mein!
Kommen wir zu jenem Berge,
schauen wir zurück ins Tal,
schauen uns um nach allen Seiten,
sehen die Stadt zum letzten Mal.
Wenn der Winter ist vorüber,
und der Frühling zieht ins Feld,
will ich werden wie ein Vöglein,
fliegen durch die ganze Welt.
Dahin fliegen will ich wieder,
wo's mir lieb und heimisch war.
Schätzlein, muß ich jetzt auch wandern,
kehr' ich heim doch übers Jahr.
Übers Jahr zur Zeit der Pfingsten
pflanz' ich Maien dir ans Haus,
bringe dir aus weiter Ferne
einen frischen Blumenstrauß.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

 

 

Die Zeit ist hin; du löst dich unbewußt
Und leise mehr und mehr von meiner Brust;
Ich suche dich mit sanftem Druck zu fassen,
Doch fühl' ich wohl, ich muß dich gehen lassen.

So laß mich denn, bevor du weit von mir
Ins Leben gehst, noch einmal danken dir;
Und magst du nie, was rettungslos vergangen,
In schlummerlosen Nächten heimverlangen.

Hier steh' ich nun und schaue bang zurück;
Vorüberrinnt auch dieser Augenblick,
Und wieviel Stunden dir und mir gegeben,
Wir werden keine mehr zusammenleben.

Theodor Storm

 

 

 

 


Trennen ist ein Sterben

Wie der Tag sich windet
Und kein Ende findet!
Die Minuten stehen,
Müssen rückwärts sehen.

Seit der Morgenstunde,
Die mit starrem Munde
Dich zum Abschied weckte,
Sich nur Öde streckte.

Fühl' die Haut erkalten
Und die Stirn sich falten,
Muß ins Leere schauen
Und dem Tag mißtrauen.

Trennen ist ein Sterben,
Schlägt die Welt in Scherben.

Max Dauthendey

 

 

 

Nach dem Abschied

In meinen Ohren klingt noch immer
Der leise Ton der lieben Worte;
Der klaren Augen stiller Schimmer
Umstrahlt noch die bekannten Orte,
Den festen Druck der treuen Hände –
Ich fühl' ihn noch – die alten Wände
Umfassen Dich mit ihrem Rahmen,
Und unwillkührlich ruf ich Deinen Namen!
– Und wie Du ganz noch hier geblieben
In meinem Sinn, in meinem Lieben,
Kann ich die Wahrheit noch nicht fassen:
Hast Du denn wirklich mich verlassen?

Luise Adelaide Lavinia

 

 

 

Trennung

Wir schreiten lange stumm und still
Zusammen durch das Leben;
Wenn auch das Herz sich öffnen will,
So schließt sich's doch mit Beben.
Wir pressen schweigend Hand in Hand,
Das Auge perlt von Tränen,
Da wird erkannt, doch nicht genannt,
Was wir mit Angst ersehnen.

Doch naht sie, ernst und finster, nun,
Die bange Trennungsstunde,
Da kann das Herz nicht länger ruhn,
Springt auf wie eine Wunde.
Dann wir Armen schnell vereint
In schmerzlich süßem Triebe,
Und jeder frägt, und jeder weint:
Du hattest so viel Liebe?

Tief sind wir in den süßen Tausch,
Ach, allzutief, versunken,
Wir haben uns in wildem Rausch
Die Seelen zugetrunken.
Man fühlt, was Mensch dem Menschen ist,
Dann aber soll man scheiden,
Und in der Stund', wo mans ermißt,
Muß man's auf ewig meiden.

Christian Friedrich Hebbel

 

 

 

 

Geheim wie die Lust war,
Geheim ist der Schmerz,
Daß falsch deine Brust war,
Und treulos dein Herz.

Und säh' ich dich wieder
Nach langer Zeit, –
Wie sollt' ich dich grüßen?
In Schweigen und Leid.

Lord George Gordon Noel Byron

 

 

 

 

Armes Mädchen

Ein Bissen Brot,
Ein Stückchen Wurst,
Ein Glas voll Wasser
Für den Durst,
Ein Teller mit
Geblümtem Rand,
Und ich davor, so
Hand in Hand …

Mein Blick geht leer
Darüber hin.
Mir will es gar nicht
Aus dem Sinn,
Daß du mich gestern
Hast geküßt
Und heut' schon bei der
Andern bist.

Der Abend kommt.
Ich spar das Licht.
Zum bißchen Essen
Brauch' ich's nicht.
Und wie es schmeckt,
Es ist ja gleich,
Ist doch vor lauter
Thränen weich …

Ludwig Jacobowski

 

 

 

Ich kann es nicht.

Wohl seh' ich gern den Himmel brennen
Mit seiner Sterne Flammenpracht;
Doch Schön'res wüßt' ich nicht zu nennen
Als deiner Augen dunkle Nacht.
Dort strahlt mein Glück, ein heller Schimmer,
In deiner Blicke süßem Licht.
O, sage nicht: Leb' wohl auf immer!

Ich kann es nicht!

Wohl mußt' von dir den Schritt ich wenden
Und wandern über Berg und Tal:
Doch tausend Grüße mußt' ich senden
Als Boten meiner Herzensqual.
Du bist die Stütze meiner Freuden,
Die, wenn sie hin, das Herz mir bricht.
O, sage nicht: Wir müssen scheiden!

Ich kann es nicht!

Johann Meyer

 

 

 

Ahnung

Du liebst den Wind, du liebst den Wald
Wohl mehr als mich,
So lässest du um beide bald
Mich sicherlich.

Im Dämmern, wenn die Wildgans schreit,
Dann horchst du hin
Und wünschest dir, wer weiß wie weit
Mit fortzuziehn.

Es birgt des Himmels Dunkelheit
Den Vogelflug,
Mir aber naht ein Herzeleid,
Wie nie ich's trug.

Ilka Marie Unger

 

 

 

Rest

Als uns'rer Seelen Aeolsharfensaiten
Vom Gotteshauch der Liebe laut erklangen,
Als uns're Geister glühend sich durchdrangen,
Nicht wahr, mein Freund! Das waren schöne Zeiten!

Das ist vorbei, und jene Seligkeiten,
Zu süß in ird'schem Gefild' zu prangen,
Sie sind in Nacht und Tod dahingegangen
Als ich dein schwankend Herz sah von mir gleiten.

Doch, ob auch liebeleer nun deine Brust;
Ein starkes Band wird ewig uns vermählen,
Im Innersten ist's trostvoll mir bewußt:

Denn ewig werden uns're düstern Seelen,
Gefall'nen Engeln ähnlich, von der Lust
Verlornen Edens trauernd sich erzählen.

Betty Paoli

 

 

 

Als sich mit Schmerzen

Als sich mit Schmerzen,
In Tränen und stumm,
Trennten die Herzen,
Wer sagt, warum? –
Kalt dein Kuß;
O damals ahnt ich, was
Nun kommen muß.

Es taute der Morgen
So schaurig kühl,
Mich warnte verborgen
Ein Vorgefühl.
Die Schwüre verwehten,
Die Ehre zerbrach,
Dein Ruf ist zertreten
Und mein deine Schmach.

Dein Name umklingt mich
Wie Totengeläut.
Ein Schauer durchdringt mich,
Als liebt ich noch heut.
Wie gut ich dich kannte,
Wem ist es bewußt?
Wer weiß, wie mir brannte
Von Reue die Brust ?

Verstohlen besessen,
Verstohlen beweint,
Daß du mich vergessen,
Verraten den Freund!
Nach langem Büßen,
Wenn Jahre herum,
Wie soll ich dich grüßen? –
In Tränen und stumm.

 

Lord George Gordon Noel Byron

 

 

 

Es ist wohl schwer, zu ziehen
Von denen, die uns lieb,
Und die ein heftig Fühlen
In uns're Seele schrieb;
Doch ist ob allen Häuptern
Ein gleiches Blau gespannt,
Und eine gleiche Sonne
Wärmt auch das fernste Land.

Es ist wohl schwer zu scheiden
Auf immer von der Welt,
Von allem was sie Theures
Für unser Herz enthält;
Doch öffnet einst ein Himmel
Sein golden strahlend Thor,
Und ruft verwandte Seelen
Vereinigend empor.

Doch bitt'rer noch und schwerer,
Als selbst des Todes Pein,
Ist lieben und vergessen
Von der Geliebten sein;
Das ganze Maß des Schmerzes
Ruht in dem einen Wort,
Man stirbt und lebt doch sterbend
In tausend Qualen fort.

Hyacinth von Schulheim

 

 


Niemals werd' ich das vergessen,
Wie dein Arm mich noch umfing,
Jedes Wort beim bangen Pressen
Dir in Tränen unterging.
Ach, wir lernten erst im Scheiden
Unsre Liebe ganz verstehn,
Und doch war's uns beiden, beiden:
's ist auf Nimmerwiedersehn!

Seit der Stunde jener Schmerzen
Noch den Druck von deiner Hand
Fühl' ich kühl auf meinem Herzen,
Wie ich damals ihn empfand.
Und wenn alles schweigt um mich,
Mir aufs Bett die Sterne scheinen,
Ist mir oft, ich höre dich
In der Ferne weinen.

Emanuel Geibel

 

 

So wird es kommen …

So wird es kommen, so kommt es gewiß:
Es naht die Nacht und die Finsternis,
Wir stehen beide am Scheidewege.
Stumm gehen des Herzens schmerzliche Schläge:
"Noch bist du mein! – noch bist du mein!: –

Viel will ich noch sagen und kann es nicht.
Ich streichle nur immer dein liebes Gesicht.
Von meinem Nacken löst du die Hände,
Und ich begreife: das ist das Ende! –
Und rings erblaßt der erste Schein …

Dann küssest du mich zum letztenmal
Und schreitest zurück in dein Heimattal.
Ich sehe, wie sich die Schatten breiten
Um deine Gestalt – und jäh entgleiten
Seh' ich dich mir – und bin allein! …

John Henry Mackay

 

 

 

Heimweh

Anders wird die Welt mit jedem Schritt,
Den ich weiter von der Liebsten mache;
Mein Herz, das will nicht weiter mit.
Hier scheint die Sonne kalt ins Land,
Hier deucht mir alles unbekannt,
Sogar die Blumen am Bache!
Hat jede Sache
So fremd eine Miene, so falsch ein Gesicht.
Das Bächlein murmelt wohl und spricht:
Armer Knabe, komm bei mir vorüber,
Siehst auch hier Vergißmeinnicht!
– Ja, die sind schön an jedem Ort,
Aber nicht wie dort.
Fort, nur fort!
Die Augen gehn mir über!

Eduard Mörike

 

 

 

Wie zwei Bretter, schwimmend auf dem Weltmeer,
Finden sich und trennen sich die Menschen.
Jede zarte Blume der Bekanntschaft
Pflanzet schon der Trennung Dorn ins Herz dir.
Ach! und Trennung von geliebten Freunden
Ist uns, wie des Todes dunkle Blindheit.
Für die Krankheit gibt es keinen Arzt mehr.

Johann Gottfried von Herder

 

 

 

Zu solchen Stunden gehn wir also hin
und gehen jahrelang zu solchen Stunden,
auf einmal ist ein Horchender gefunden –
und alle Worte haben Sinn.

Dann kommt das Schweigen, das wir lang erwarten,
kommt wie die Nacht, von großen Sternen breit :
zwei Menschen wachsen wie im selben Garten,
und dieser Garten ist nicht in der Zeit.

Und wenn die beiden gleich darauf sich trennen,
beim ersten Wort ist jeder schon allein.
Sie werden lächeln und sich kaum erkennen,
aber sie werden beide größer sein…

Rainer Maria Rilke

 

 

 

Schlaf' süß, mein Lieb!

Schlaf' süß, mein Lieb! – ich wache fern
Und bete nun zu Gott dem Herrn
Hinauf für dich um Frieden.
Ach, daß es dir
Nicht geh' wie mir,
Seitdem wir sind geschieden!

Kann ohne dich mich nicht mehr freu'n,
Und Tag und Nacht gedenk' ich dein
Mit ewig neuem Sehnen;
Hab' jede Lust
Der frohen Brust
Schon längst erstickt in Tränen.

Und sollt' ich nie dich wiederseh'n,
Ja, sollt' mir solch' ein Leid gescheh'n,
Es würd' den Tod mir geben.
Du bist mein Herz!
Mein Glück, mein Schmerz!
Mein Lieben und mein Leben.

Johann Meyer

 

 

 

Geh fort von mir. So werd ich fürderhin
in deinem Schatten stehn. Und niemals mehr
die Schwelle alles dessen, was ich bin,
allein betreten. Niemals wie vorher

verfügen meine Seele. Und die Hand
nicht so wie früher in Gelassenheit
aufheben in das Licht der Sonne, seit
die deine drinnen fehlt. Mag Land um Land

anwachsen zwischen uns, so muß doch dein
Herz in dem meinen bleiben, doppelt schlagend.
Und was ich tu und träume, schließt dich ein:

so sind die Trauben überall im Wein.
Und ruf ich Gott zu mir: Er kommt zu zwein
und sieht mein Auge zweier Tränen tragend.

Elizabeth Barrett-Browning

 

 

Zu Ende

Mein Herz ist viel zu müde, um zu toben,
In Haß und Groll, weil Du von mir geschieden
Und mit Dir nahmst das bißchen Glück und Frieden,
Ins trübe Dasein mühsam nur gewoben.

Noch kann zu lächeln ich die Lippen zwingen
Und kann auch noch für Andre warm empfinden,
Und sie ermutigen zu überwinden,
Nur will's mir selber nicht mehr gut gelingen.

Denn insgeheim die Ketten niederklirren
Die mich ans Dasein bisher festgebunden,
Nur Tropfen sickern noch aus meinen Wunden,
und halb erlöst schon hör' ich Psyche schwirren.

Felix Dörmann

 

 

 

Ich stand in dunklen Träumen

Ich stand in dunkeln Träumen
Und starrte ihr Bildnis an,
Und das geliebte Antlitz
Leise zu leben begann.

Um ihre Lippen zog sich
Ein Lächeln wunderbar,
Und wie von Wehmutstränen
Erglänzte ihr Augenpaar.

Auch meine Tränen flossen
Mir von den Wangen herab –
Und ach, ich kann es nicht glauben,
Daß ich dich verloren hab'!

Heinrich Heine

 

 

 


Das Scheiden

Niemals konnt' ich es ergründen,
Wer das Scheiden einst erfand,
Aber darauf möcht' ich schwören,
Liebe hat der nicht gekannt!

Hätte er, wie ich empfunden
Trennungsweh und Sehnsuchtsleid,
Sicher wär er umgekehret,
Damals noch zur rechten Zeit!

Manches Herz wär' nicht gebrochen,
Viele Thränen nicht geweint, –
Ja, wer's Scheiden einst erfunden,
Hat's mit uns gar bös gemeint!

Gabriele Hermine Josefine Elisabeth von Rochow

 

 

 

 

Das Wort vom Scheiden

Du gabst mir einst ein kleines Buch
Voll lieber schöner Lieder
Und schriebst auf das erste Blatt
Ein traurig Verslein nieder.

Ich schüttelte den Kopf dazu,
Mein Herze wollts nicht leiden
Klang gar so hart, klang gar so schwer,
Das eine Wort vom Scheiden.

Nun hat das Verslein Recht gehabt,
Ist alles so gekommen,
Wie Abendroth und Feuerschein
Ist unser Glück verglommen.

Du wanderst dort, ich wandre hier,
So helfe Gott uns beiden,
Daß es uns nicht den Sinn verstört,
Das eine Wort vom Scheiden.

Anna Ritter

 

 

 

 

Schweig Liebster – red kein lautes Wort,
es schwebt das Glück um diesen Ort –
schweig still, schweig still,
weil es das Glück so will.

Red Liebster – leis' doch sei dein Wort,
denn Glück schwebt über diesem Ort –
red leis', red still,
weil es das Glück so will.

Und da erhebst du dich,
und reichst mir ruhig deine Hand,
und gehst –

Ich muß die Hände falten
wie zum Gebet,
die Stimme an mir halten
zu stiller Red –
die Arme an mich pressen,
daß sie sich nicht vergessen
und warm sich um dich legen,
eh' du denn gehst –

Ich lausche deinem Schritt,
wie auf der Treppe er verklingt –
was nimmst du mir nur mit,
daß alles mir in Dunkel sinkt,
wenn du so gehst? – – –

Luise Baer

 

 

 

Das ist das Schlimmste

Das ist das Schlimmste: wenn zwei Herzen scheiden,
Wird alsobald ein Abgrund aufgerissen,
Der keins mehr läßt die Not des andern wissen.
Der Strom der Hölle flutet zwischen beiden.

Das Auge sieht der Liebe holde Mienen
Entstellt im fremdgewordnen Angesichte,
Und jede süße Heimlichkeit zunichte,
Den Spiegel trüb, in dem die Welt erschienen.

Der Worte Spiel, das tiefstes Leben tauschte,
Verlor den Sinn im einst geliebten Munde,
Weil jetzt der Schlüssel fehlt zu jenem Grunde,
Wo sich das ungesprochne sonst erlauschte.

Frau Zunge kommt – o mög sie Gott verderben!
Sie lispelt leis und träufelt in die Wunden
Ihr Gift, das alles Glück vergangner Stunden
In Pein verkehrt und hundertfaches Sterben.

Das ist der Schluß: dem Lassen folgt das Hassen.
Und nirgend, nirgend, nirgend eine Brücke,
Kein Wiedersehn, kein Fahrewohl dem Glücke,
Kein Gruß vorm letzten, ewigen Verblassen.

Vielleicht am Ende steigt aus Grabesschollen,
Noch einmal rein vom Schutt gestürzter Tempel,
Das echte Bildnis mit der Wahrheit Stempel,
Darauf zu spät verlorene Tränen rollen.

Isolde Maria Klara Kurz

 

 

 

 

Die weite Welt ist nun zur Ruh’

Die weite Welt ist nun zur Ruh’,
Das Mondlicht kommt verstohlen
Und küsst die müden Augen zu.
Schatten kommen, so kommst auch du,
Schwebend auf leichten Sohlen.

Wie seh’ ich dein Auge leuchten klar
Und Tränen darin stehen!
Ich weiß nicht, wie es geschehen war,
Das aber weiß ich immerdar,
Dass Leides uns geschehen.

Noch fühl’ ich das Beben deiner Hand,
Als wir im Sommer schieden.
Der Winter kam, und der Winter schwand;
Ich wandre in fernem fremdem Land
Und finde nimmer den Frieden.

Die ganze Seele füllt’ ich dir aus,
Wärest du jetzt mein eigen;
Doch du schlummerst fern im grünen Haus,
Nachtfalter flattern herein, heraus,
Und im Garten wandelt das Schweigen.

Julius Waldemar Grosse

 

 

 

 


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